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"Der Geist der Verbindung sollte hinauswirken"
Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina / 100-Semester-Bänder verliehen
COBURG
Die Treue zum Ernestinum und zu seiner Schülerverbindung bewiesen am vergangenen Wochenende wieder eindrucksvoll über 100 Bundesbrüder, die zur traditionellen Festkneipe zu Weihnachten in den Pfarrsaal von St. Augustin gekommen waren. Nachdenkliche Reden und vor allem Ehrungen für langjährige Treue standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.
"Wenn Freunde von weit her zu Besuch kommen, ist das nicht wirklich eine Freude?" Diesen Ausspruch von Konfuzius vor rund 2500 Jahren stellte Erstchargierter Michael Engel an den Anfang seiner Ansprache. "Diese Corona heute ist der lebendige Beweis dafür." So seien an diesem Abend viele unterschiedliche Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Gegenden und vor allem aus unterschiedlichen Generationen zusammengekommen. "Und gerade Generation ist für die Ernestina ein Begriff von besonderer Bedeutung", konstatierte Engel.
Mit Blick auf den Begriff Generation verwies der Erstchargierte auf eine Studie, die durch Befragungen Generationenbeziehungen in Deutschland ermittelte. Und die vor kurzem von Bundesfamilienministerin renate Schmidt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Ergebnis der Studie: Der Generationenvertrag traditioneller Prägung kann die sozialen Herausforderungen der Zukunft allein nicht lösen. Der Studie zufolge erweise sich der Aufbau eines sozialen Netzes - über die materielle Absicherung hinaus - als eine wertbeständige Investition in die Zukunft. Der Verlust von Familie und Freunden lasse sich im Alter durch Geld nicht mehr ausgleichen.
Michael Engel: "Ist das, was hier gefordert wird, nicht eines der Hauptziele unseres Bundes? Ist nicht dieser Abend auch eine Veranstaltung zur Sicherung des Generationen übergreifenden Sozialnetzes?" Der Erstchargierte weiter: "Ich bin mir sicher, dass die meisten Ernestiner die Veranstaltungen unseres Bundes auch deshalb besonders schätzen."
Die Frage nach der Treue in der heutigen Zeit hatte der Vorsitzende des Altherren-Verbandes (AHV), Andreas Kuschbert, in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt. So sei das Treueprinzip einer der Grundpfeiler der Ernestina. Nach Kuschberts Worten ist der Wahlspruch der Verbindung - "Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande keine hohle Phrase, obgleich so mancher Außenstehende darüber lächle. Gerade zur Weihnachtskneipe kämen Bundesbrüder aus ganz Deutschland in ihre alte Heimat zurück, um sich mit den Bundesbrüdern zu treffen und Erinnerungen auszutauschen.
Ein besonders gutes Beispiel für das Treueprinzip seien laut Kuschbert die fünf Ernestiner, die vor 50 Jahren in die Schülerverbindung eingetreten sind und dieses Ja-Wort nie zurückgenommen hätten. Bei der Weihnachtskneipe wurden sie nun mit dem 100-Semester-Band ausgezeichnet. Es waren dies Werner Baumer, Dr. Herbert Graebner, Dr. Wilfried Ripperger, Siegfried Schilling und Horst Zahn. Zwei weitere Bundsbrüder - Wolfgang Buhler und Dietmar Wikinger - die ebenfalls vor 50 Jahren in die Ernestina eingetreten sind, waren nicht anwesend und erhalten das Ehrenband zu einem späteren Zeitpunkt.
"Es ist eine Freude zu sehen, wie hier der Treuebund wirklich gehalten wird", konstatierte Oberstudiendirektorin Brigitte Cleary in ihrem Grußwort, und stellte zugleich die Frage, wie weit es mit dem Zusammenhalt heutzutage wirklich steht.
So sei jeder gefordert, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen beziehungsweise auch für andere Mitmenschen, und nicht nur alles von den anderen zu erwarten. "Eine Verantwortung, wie sie hier in der Ernestina gepflegt wird, ist eine sehr nachahmenswerte Eigenschaft, die man sich öfters wünscht", so die Direktorin des Ernestinums. "Dieser Geist der Ernestina sollte über sie hinauswirken in alle Lebensbereiche, in die Schule, in den Beruf und die Familien." So sei die Einstellung zur Verantwortung eine Grundeinstellung zum Leben, das es wert sei, gelebt zu werden. rs
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